GTA 6 mit 30 FPS könnte der Preis für Rockstars bisher technisch anspruchsvollstes Spiel sein

Die Debatte um GTA 6 mit 30 FPS hat sich seit der Veröffentlichung des „Extended Look“ durch Rockstar Games verschärft, doch technische Analysen deuten darauf hin, dass die niedrigere Bildrate eng mit dem außergewöhnlichen Detailreichtum zusammenhängen könnte, der über die aktuelle Konsolenhardware umgesetzt wird.

Rockstar hat bestätigt, dass die aktuellen Konsolenversionen mit 30 Bildern pro Sekunde laufen. Ein Leistungsmodus mit 60 FPS wurde nicht angekündigt, obwohl das Studio diesen auch nicht endgültig ausgeschlossen hat.

Für manche Spieler werden 30 FPS unweigerlich eine Enttäuschung sein. Doch die visuellen Beweise deuten darauf hin, dass Rockstar sein Hardware-Budget anderweitig einsetzt.

Laut einer von GTA BOOM hervorgehobenen Analyse bezeichnete John Linneman von Digital Foundry „Grand Theft Auto VI“ als das potenziell beeindruckendste Spiel, das er je gesehen hat. Das Lob bezieht sich nicht nur auf die Auflösung, sondern auf die Kombination aus Beleuchtung, Reflexionen, Geometrie, Animation und Welt-Simulation, die gleichzeitig stattfinden.

Diese Komplexität hat ihren Preis.

Bei dem 30-FPS-Ziel von GTA 6 geht es nicht nur um die Auflösung

Eine verbreitete Annahme ist, dass Rockstar einen 60-FPS-Modus schaffen könnte, indem es die Auflösung des Spiels senkt.

Das reicht möglicherweise nicht aus.

Open-World-Spiele stellen hohe Anforderungen sowohl an die GPU als auch an die CPU. Die Grafikhardware übernimmt Aufgaben wie das Rendern von Geometrie, Beleuchtung und visuellen Effekten. Gleichzeitig muss der Prozessor den Datenverkehr, das Verhalten der NPCs, die Physik und zahlreiche Systeme verwalten, die in der gesamten Spielwelt ablaufen.

GTA 6 scheint in beiden Bereichen besonders anspruchsvoll zu sein.

Rockstar rendert dicht bevölkerte Straßen und simuliert gleichzeitig Fahrzeuge, Fußgänger, Polizeieinsätze und ein reaktionsfreudigeres NPC-Verhalten. Diese Systeme laufen unabhängig davon weiter, ob der Spieler stillsteht oder mit hoher Geschwindigkeit durch Vice City fährt.

Eine Verringerung der Auflösung kann GPU-Ressourcen freisetzen. Das macht jedoch nicht automatisch alle diese CPU-Berechnungen doppelt so schnell.

Diese Unterscheidung ist entscheidend für das Verständnis der GTA 6 60 FPS-Debatte.

Ray-Traced Global Illumination verwandelt Leonida

Eine der wichtigsten Technologien, die in GTA 6 zu sehen sind, ist die Beleuchtung.

Die Analyse von Digital Foundry hat den offensichtlichen Einsatz von Ray-Tracing-Globalbeleuchtung hervorgehoben, oft abgekürzt als RTGI.

Herkömmliche Spielbeleuchtung stützt sich häufig auf vorberechnete Informationen und Näherungswerte. Ray-Tracing-Globalbeleuchtung kann dynamischer simulieren, wie Licht zwischen Oberflächen reflektiert wird.

Der Unterschied wird besonders deutlich, wenn man sich zwischen Innen- und Außenumgebungen bewegt.

Räume werden durch Fenster natürlicher beleuchtet. Objekte können die Umgebungsbeleuchtung beeinflussen. Außenumgebungen verändern sich überzeugend, während sich die Sonne über Leonida bewegt.

Für GTA 6 ist dies besonders wertvoll, da sich die Spieler ständig durch dramatisch unterschiedliche Räume bewegen.

Ein heller Strand in Vice City, eine schummrige Wohnung und ein von Neonlicht erhellter Nachtclub erfordern allesamt völlig unterschiedliche Lichtverhältnisse.

Reflexionen sind ein weiterer wichtiger Bestandteil der visuellen Verbesserung von GTA 6

Rockstar scheint zudem stark in Raytracing-Reflexionen für GTA 6 zu investieren.

Vice City bietet eine ideale Umgebung für diese Technologie.

Glasgebäude, nasse Straßen, polierte Fahrzeuge und große Gewässer schaffen unzählige reflektierende Oberflächen. Präzise Reflexionen können dafür sorgen, dass sich diese Umgebungen wesentlich realistischer anfühlen.

Der „Extended Look“ zeigt häufig reflektierende Materialien an Fahrzeugen und in der Architektur.

Raytracing ist jedoch nach wie vor rechenintensiv. Der Einsatz mehrerer Raytracing-Systeme bei gleichzeitiger Beibehaltung einer riesigen offenen Welt stellt eine ganz andere Herausforderung für die Leistung dar als das Rendern eines kleineren, linearen Spiels.

Hier scheint Rockstar bereit zu sein, einen Kompromiss einzugehen.

Anstatt die visuelle Komplexität drastisch zu reduzieren, um 60 FPS zu erreichen, legt die aktuelle Version den Schwerpunkt auf ein detailreicheres Bild bei 30 FPS.

Die Charakterdarstellung in GTA 6 ist ein riesiger Schritt nach vorne

Die Beleuchtung ist nur ein Teil der technischen Leistung.

Die Charaktermodelle von GTA 6 weisen im Vergleich zu GTA V und sogar Red Dead Redemption 2 eine erhebliche Steigerung der Detailtreue auf.

Jason und Lucia zeigen detaillierte Haut, Haare, Kleidung und Gesichtsanimationen. Noch überraschender ist, dass auch NPCs im Hintergrund beträchtliche Aufmerksamkeit erhalten.

Überfüllte Strände und Ausgehlokale beherbergen eine große Anzahl sichtbar unterschiedlicher Charaktere, anstatt nur einer kleinen Gruppe von Passanten, die immer wieder um den Spieler herum auftauchen.

Fans werden vielleicht überrascht sein, wie wichtig dies ist.

In „Grand Theft Auto“ werden die meiste Zeit Dutzende von Charakteren gleichzeitig gezeigt. Die Verbesserung jedes einzelnen Passanten erhöht den Arbeitsaufwand in fast jeder belebten Szene.

Eine wunderschön gerenderte Hauptfigur ist relativ einfach. Eine ganze Straße voller überzeugender Menschen zu rendern, ist wesentlich schwieriger.

Besonders beeindruckend ist die Haar-Darstellung

Das Haar ist ein weiterer Bereich, in dem Rockstar offenbar erhebliche Fortschritte erzielt hat.

Der „Extended Look“ zeigt detaillierte Frisuren sowohl bei den Hauptcharakteren als auch bei den NPCs, wobei in Nahaufnahmen einzelne Haarsträhnen und natürlichere Bewegungen zu erkennen sind.

Diese Technologie mag im Vergleich zur Kartengröße oder der Polizei-KI nebensächlich erscheinen, doch überzeugende Haargestaltung bleibt einer der schwierigsten Aspekte der Echtzeit-Charakterdarstellung.

Rockstar wendet diese Verbesserungen in einem Spiel an, das zudem Verkehr, Gebäude und riesige Außenumgebungen darstellen muss.

Die Dichte der Spielwelt könnte die größere Herausforderung für die Leistung darstellen

Die GTA-6-Karte ist Berichten zufolge etwa doppelt so groß wie die von GTA V, während Vice City selbst etwa doppelt so groß sein soll wie Los Santos.

Doch die Größe ist möglicherweise nicht der anspruchsvollste Teil.

Die Dichte spielt eine größere Rolle.

Der erweiterte Einblick zeigt Straßen voller Autos und Fußgänger. An den Stränden tummeln sich große Menschenmengen. Auch Innenräume sind weiterhin bevölkert und werden nicht zu isolierten Räumen, in denen sich nur Missionscharaktere aufhalten.

Rockstar gibt außerdem an, dass die NPC-Interaktionen die für „Red Dead Redemption 2“ entwickelten Systeme erheblich erweitern.

Jeder zusätzliche Charakter kann Animationen, Navigation, Verhaltenslogik und Reaktionen auf Ereignisse in der Nähe erfordern.

Dies ist ein starker Kandidat für einen CPU-Engpass, insbesondere wenn Dutzende von NPCs gleichzeitig agieren.

Die PS5 Pro garantiert nicht automatisch 60 FPS

Die Einführung leistungsstärkerer Hardware wirft natürlich Fragen zu GTA 6 auf der PS5 Pro auf.

Sonys verbesserte Konsole bietet deutlich mehr Grafikleistung als die Standard-PlayStation 5. Das könnte die Bildqualität, das Raytracing oder die Auflösung verbessern.

Allerdings bleibt ihre CPU deutlich näher an der Basis-Konsole.

Wenn GTA 6 stark durch die CPU-Simulation eingeschränkt ist, kann zusätzliche GPU-Leistung allein die Bildrate nicht einfach verdoppeln.

Dies beweist nicht, dass 60 FPS auf der PS5 Pro unmöglich sind. Rockstar hat noch keine endgültigen Leistungsspezifikationen für das System veröffentlicht.

Es erklärt jedoch, warum leistungsstärkere Grafikhardware nicht automatisch eine Lösung darstellt.

Rockstar hat in der Vergangenheit Ambitionen gegenüber der Bildrate priorisiert

Rockstars Ansatz ist nicht beispiellos.

GTA V wurde ursprünglich mit 30 FPS auf PlayStation 3 und Xbox 360 veröffentlicht. Auch „Red Dead Redemption 2“ zielte auf den ursprünglichen Konsolenplattformen auf 30 FPS ab.

In beiden Fällen hat Rockstar diese Maschinen ungewöhnlich stark beansprucht.

„Red Dead Redemption 2“ ist auch Jahre nach der Veröffentlichung visuell beeindruckend, weil das Studio Weltdetails, Beleuchtung und Simulation gegenüber einer höheren Bildrate auf der Konsole priorisiert hat.

GTA 6 scheint derselben Philosophie zu folgen, nur in einem viel größeren technischen Maßstab.

Eine spätere Veröffentlichung auf zukünftiger Hardware könnte diese Gleichung natürlich ändern, so wie GTA V schließlich auf neueren Konsolen 60-FPS-Optionen erhielt.

Stabile 30 FPS sind immer noch wichtiger als instabile 60

Das bedeutet jedoch nicht, dass Spieler 30 FPS bevorzugen sollten.

Sechzig Bilder pro Sekunde sorgen für klarere Bewegungen und eine geringere Eingabelatenz. Dadurch können sich das Fahren und das Zielen spürbar flüssiger anfühlen.

Allerdings ist Konsistenz entscheidend.

Stabile 30 FPS mit korrektem Frame-Pacing können ein besseres Spielerlebnis bieten als ein Leistungsmodus, der ständig zwischen 40 und 60 FPS schwankt.

Rockstar muss vor der Veröffentlichung noch Optimierungsarbeiten abschließen, und die endgültigen Konsolenmodi sind noch unbekannt.

Das Studio wird möglicherweise letztendlich zusätzliche Optionen anbieten. Vielleicht aber auch nicht.

Derzeit zeigt der „Extended Look“, worauf Rockstar den Schwerpunkt legt.

Das 30-FPS-Ziel von „GTA 6“ bringt einen offensichtlichen Kompromiss mit sich

Die Diskussion um die Bildrate wird sinnvoller, wenn man sie als technischen Kompromiss betrachtet und nicht als bloße Zahl.

„GTA 6“ versucht, fortschrittliche Raytracing-Beleuchtung, detaillierte Reflexionen, dichte Menschenmengen, ausgefeilte Charakterdarstellung und eine riesige simulierte Welt auf Hardware zu vereinen, die im Jahr 2020 auf den Markt kam.

Um all das bei 60 FPS zu schaffen, müsste jeder Frame in etwa der Hälfte der Zeit fertiggestellt werden, die bei 30 FPS zur Verfügung steht.

Irgendetwas müsste also zurückstehen.

Rockstar scheint derzeit nicht bereit zu sein, die Systeme zu opfern, die Leonida so aussehen und sich so verhalten lassen, wie es der Fall ist.

Für Spieler, denen Reaktionsgeschwindigkeit wichtig ist, mag das dennoch frustrierend sein. Für diejenigen, die sich für Rockstars technische Ambitionen interessieren, ist dieser Kompromiss leichter zu verstehen.

30 Bilder pro Sekunde sind nicht die Schlagzeile, die Rockstar für GTA 6 wählen würde.

Die Welt, die es um diese 30 Bilder herum aufbaut, könnte es jedoch sein.


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