Rockstar Games hat eine außergewöhnliche Menge an Informationen in den 27-minütigen „GTA 6 Extended Look“ gepackt. Abgesehen von den offensichtlichen Schießereien, Verfolgungsjagden mit der Polizei und spektakulären Ausblicken auf Leonida offenbart eine genauere Betrachtung wesentliche Änderungen daran, wie sich „Grand Theft Auto VI“ tatsächlich spielt.
Die Präsentation begleitet Jason Duval und Lucia Caminos durch Raubüberfälle, Beziehungen und den Alltag in Vice City. Doch kleine Hinweise in der Benutzeroberfläche und Details im Hintergrund verraten genauso viel wie die Schlagzeilen-Szenen.
Zu den größten Entdeckungen zählen die Rückkehr eines Sechs-Sterne-Fahndungslevels, erweiterte NPC-Interaktionen, die von „Red Dead Redemption 2“ inspiriert sind, komplexere Fahrzeugdiebstähle, Mechaniken für Charakterbeziehungen und eine überraschend breite Palette an Freizeitaktivitäten.
Rockstar hat diese Systeme nicht erklärt. Es hat sie einfach gezeigt. Dadurch können die Details leicht übersehen werden.
GTA 6 bringt den Sechs-Sterne-Fahndungslevel zurück
Eine der deutlichsten Gameplay-Enthüllungen zeigt sich während einer Raubsequenz mit Lucia.
Das HUD zeigt einen Sechs-Sterne-Fahndungslevel in GTA 6 an und kehrt damit zu einer Skala zurück, die langjährige Spieler wiedererkennen werden. In GTA 5 wurde der maximale Fahndungslevel auf fünf Sterne reduziert, sodass die Rückkehr des sechsten Sterns sofort Fragen darüber aufwirft, wie aggressiv die stärkste Reaktion der Polizei unter Leonida ausfallen wird.
Auch das Polizeisystem selbst wirkt ausgefeilter.
Symbole sollen Berichten zufolge Informationen erfassen, anhand derer die Behörden den Spieler identifizieren können, darunter Kleidung, äußeres Erscheinungsbild, Waffen, Komplizen und die Frage, ob das Verbrechen von Überwachungskameras aufgezeichnet wurde.
Spieler müssen daher möglicherweise über die bloße Flucht aus einem Suchradius hinausdenken.
Ein Kleidungswechsel oder das Zurücklassen eines erkennbaren Fahrzeugs könnte Teil einer erfolgreichen Flucht nach einem Verbrechen werden. Bei einer anderen Verfolgungsjagd scheint die Polizei in der Lage zu sein, das Fahrzeug der Verdächtigen zu identifizieren, selbst wenn Jason und Lucia selbst nicht sofort sichtbar sind.
Das könnte die Flucht vor dem Gesetz wesentlich unvorhersehbarer machen als in GTA 5.
Autodiebstahl ist nicht mehr immer sofort möglich
In „Grand Theft Auto“ war der Autodiebstahl bisher bemerkenswert einfach. GTA 6 scheint mehr Auswahlmöglichkeiten einzuführen.
Während des „Extended Look“ nähert sich Jason einem verschlossenen Fahrzeug und erhält Optionen wie „Slim Jim“ und „Fenster einschlagen“.
Die leisere Methode scheint eine Interaktion auszulösen, anstatt das Fahrzeug sofort zu öffnen.
Das mag wie eine geringfügige Änderung klingen, könnte aber den Rhythmus der Verbrechensausführung verändern. Ein Fenster einzuschlagen ist schnell und auffällig. Eine langsamere Einstiegsmethode zieht möglicherweise weniger Aufmerksamkeit auf sich.
Rockstar hat noch nicht vollständig erklärt, wie die Fahrzeugsicherheit bei verschiedenen Autos funktioniert. Das Filmmaterial deutet jedoch darauf hin, dass das Stehlen eines geparkten Fahrzeugs mehr Entscheidungsfindung erfordert als nur das Drücken einer Taste.
NPC-Interaktion im Stil von „Red Dead Redemption 2“ kehrt zurück
Eine weitere wesentliche Änderung betrifft die NPC-Interaktion in GTA 6.
Das Filmmaterial zeigt, wie Jason Charaktere in seiner Nähe anvisiert und kontextbezogene Interaktionsmöglichkeiten erhält, was stark an das System erinnert, das Rockstar für „Red Dead Redemption 2“ entwickelt hat.
Auch Tiere sind mit von der Partie.
Jason kann mit einem Hund interagieren und dabei Optionen wie „Begrüßen“ oder „Zurechtweisen“ nutzen. Es gibt zudem eine Option zum „Beobachten“, was darauf hindeutet, dass „GTA 6“ möglicherweise ein umfassenderes System zur Erkundung der Tierwelt enthalten könnte.
„Red Dead Redemption 2“ machte gewöhnliche Begegnungen überraschend einprägsam, da Fremde je nach Situation unterschiedlich auf Arthur Morgan reagierten. Eine erweiterte Version dieser Technologie in eine dichte, moderne Umgebung zu übertragen, könnte eine noch größere Wirkung haben.
„Vice City“ enthält weitaus mehr Menschen, Fahrzeuge und sich schnell verändernde Situationen als die Wildnis.
Das macht die Reaktionsfähigkeit der NPCs zu einem der interessantesten technischen Ziele von „GTA 6“.
Jason und Lucia haben ein sichtbares Beziehungssystem
Der „Extended Look“ deutet außerdem darauf hin, dass die Beziehung zwischen Jason und Lucia mehr ist als nur ein festgelegter Teil des Skripts.
Den Spielern werden während Gesprächen und gemeinsamen Aktivitäten kontextbezogene Entscheidungen angeboten. An einer Stelle kann Jason Lucia bitten, sich zu beeilen, oder beschließen, die Sache nicht weiter zu forcieren. An anderer Stelle können die beiden Händchen halten.
Neben ihren Charakterinformationen erscheint zudem ein Herzsymbol, das offenbar die Stärke oder den Status ihrer Beziehung anzeigt.
Dies könnte alltäglichen Entscheidungen mehr Gewicht verleihen, ohne GTA 6 in ein herkömmliches Rollenspiel zu verwandeln.
Das System passt zudem zu Rockstars allgemeiner erzählerischer Ausrichtung. Jason und Lucia sind sowohl privat als auch kriminell Partner. Den Spielern einen gewissen Einfluss auf diese Beziehung zu gewähren, könnte ihre Geschichte lebendiger wirken lassen.
Der Charakterwechsel scheint während Missionen schneller zu sein
Der Charakterwechsel in GTA 6 kehrt ebenfalls zurück, doch Rockstar scheint ihn zu verfeinern.
Während Missionen können die Übergänge zwischen Jason und Lucia schnell erfolgen. Ein Charakter kann fahren, während der andere schießt, sodass der Spieler wählen kann, welche Rolle er steuern möchte.
Das könnte ein altes GTA-Problem lösen. Mit hoher Geschwindigkeit zu fahren und gleichzeitig zu zielen und zu schießen, kann auf einem Controller umständlich sein.
Außerhalb von Missionen scheint der Charakterwechsel langsamer zu sein und ähnelt eher den bekannten filmischen Übergängen aus GTA 5.
Im Kampf gibt es mehr Möglichkeiten, Gegner außer Gefecht zu setzen
Auch bei Schießereien gibt es einige kleinere Änderungen.
Berichten zufolge können Körperteile von Gegnern je nach potenzieller Wirkung eines Schusses unterschiedlich hervorgehoben werden. Bestimmte Bereiche deuten auf tödlichen Schaden hin, während Schüsse auf Gliedmaßen einen Gegner außer Gefecht setzen können, ohne ihn sofort zu töten.
Jason scheint zudem über eine Fokus-Fähigkeit zu verfügen, die die Zeit im Kampf verlangsamt und offensichtliche Parallelen zum „Dead Eye“-System aus „Red Dead Redemption“ aufzeigt.
Waffen und Gegenstände erscheinen nun in separaten Auswahlrädern. Verbrauchsgegenstände können schnell eingesetzt werden, um Werte wie Gesundheit, Ausdauer und Fokus wiederherzustellen oder zu verbessern.
Auch der Nahkampf wurde überarbeitet. Lucia kann zuschlagen, blocken und ausweichen, während es in manchen Kämpfen offenbar auch zum Grappling kommt.
Geld lässt sich möglicherweise schwerer sichern
Rockstar scheint Bargeld zudem greifbarer zu machen.
Das HUD zeigt separate Finanzindikatoren an, während Geldautomaten in Geschäften zu sehen sind. Das Filmmaterial hat Spekulationen ausgelöst, dass Bargeld möglicherweise erst eingezahlt werden muss, bevor es sicher ist.
Weitere Hinweise in der Umgebung unterstreichen die Bedeutung von Geld. In Lucias Wohnung sind Geldscheine zu sehen, während Raubüberfälle auf kleine Geschäfte weiterhin eine wiederkehrende Aktivität darstellen.
Rockstar hat keine vollständige Erklärung zur Wirtschaft von GTA 6 geliefert, sodass einige Interpretationen vorläufig bleiben.
Der „Extended Look“ stellt Geld jedoch eindeutig in den Mittelpunkt des kriminellen Lebens von Jason und Lucia.
Basketball, Tauchen, Training im Fitnessstudio und Autorennen sind bestätigt
Rockstars offene Welt wird sich nicht ausschließlich um Kriminalität drehen.
Die Präsentation zeigt eine umfangreiche Auswahl an Aktivitäten in GTA 6. Jason kann Basketball spielen und dabei eine Mechanik zur Wurfkraft nutzen, während Lucia mit Gewichten trainieren kann.
Tiefseetauchen ist eine weitere spielbare Aktivität. Spieler können außerdem Jetskis fahren, Luftboote und Kajaks nutzen sowie an Offroad-Rennen teilnehmen.
Organisierte Straßenrennen scheinen ein Comeback zu feiern, während Schießübungen Präzision und schnelle Ausschaltungen belohnen. Auch Angeln wird gezeigt.
Sogar Elektroroller stehen zur Verfügung.
Diese Aktivitäten sind wichtig, da Leonida riesig ist. Eine große Karte braucht Anreize für Spieler, die Erkundung der Hauptgeschichte zu unterbrechen und Zeit in den verschiedenen Umgebungen zu verbringen.
Die kleinsten Details könnten die größte Verbesserung von GTA 6 sein
Die Präsentation steckt voller weniger offensichtlicher Feinheiten.
Cabrio-Dächer lassen sich betätigen, während sich die Fahrzeuge mit niedriger Geschwindigkeit bewegen. Die Innenräume der Autos wirken individuell detailliert. Kugeln verursachen punktuelle Schäden, anstatt immer identische Aufpralleffekte zu erzeugen.
NPCs reagieren auf Unruhen in ihrer Umgebung. Lucia schwitzt sichtbar, während sie in einem überfüllten Nachtclub tanzt. Wasser verzerrt die Spiegelungen um Schwimmer herum. Handybildschirme beleuchten Gesichter.
Es gibt Staus und Baustellen, die die Spieler möglicherweise dazu zwingen, ihre Routen zu überdenken, anstatt einfach geradewegs durch jedes Hindernis zu fahren.
Fans könnten überrascht sein, wie viel Rockstar vermittelt, ohne anzuhalten, um irgendetwas davon zu erklären.
Das scheint beabsichtigt zu sein.
GTA 6 sieht langsam wie Rockstars systemintensivste offene Welt aus
Der „Extended Look“ scheint zunächst eine charakterorientierte Präsentation über Jason und Lucia zu sein. Hinter dieser Geschichte demonstriert Rockstar jedoch still und leise eine weitaus komplexere Version von Grand Theft Auto.
Das Sechs-Sterne-Fahndungssystem deutet auf eine härtere Eskalation seitens der Polizei hin. Erkennungsmechanismen könnten die Flucht schwieriger machen. Fahrzeugdiebstahl bietet verschiedene Herangehensweisen. Die Interaktion mit NPCs baut auf „Red Dead Redemption 2“ auf, während die Beziehung zwischen Jason und Lucia offenbar auf die Entscheidungen des Spielers reagiert.
Dann ist da noch die schiere Menge an optionalen Inhalten.
Basketball, Tauchen, Training im Fitnessstudio, Kajakfahren, Angeln, Rennen und Schießherausforderungen sind nur die Aktivitäten, die Rockstar gezeigt hat. Es gibt mit ziemlicher Sicherheit noch mehr, das verborgen bleibt.
Die Präsentation bestätigt etwas Wichtiges über GTA 6. Rockstar entwickelt nicht einfach nur ein größeres GTA 5 mit besserer Grafik.
Es fügt dem Spektakel grundlegende Systeme hinzu.
Das könnte sich als die größere Verbesserung erweisen.