Rockstar kündigt an, sich gegen die Vorwürfe der Gewerkschaft zu wehren, während das Schiedsverfahren wegen der Entlassung von GTA-6-Mitarbeitern beginnt


Rockstar Games hat angekündigt, sich energisch gegen Vorwürfe zu verteidigen, es habe Mitarbeiter, die an der Entwicklung von GTA 6 beteiligt waren, unrechtmäßig entlassen, während in Großbritannien ein großes Arbeitsgerichtverfahren beginnt.

Im Mittelpunkt des Streits stehen 31 ehemalige Rockstar-Mitarbeiter in Großbritannien, die im Oktober 2025 ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Gewerkschaft „Independent Workers of Great Britain“ (IWGB) behauptet, die Kündigungen stünden im Zusammenhang mit gewerkschaftlichen Aktivitäten. Rockstar weist diese Anschuldigung entschieden zurück.

Die Anhörung begann am 10. September vor dem Arbeitsgericht in Glasgow und wird voraussichtlich bis zum 16. Oktober andauern. Der Zeitpunkt rückt Rockstars interne Arbeitspraktiken ungewöhnlich stark ins Rampenlicht, nur wenige Wochen vor der für den 19. November 2026 geplanten Veröffentlichung von Grand Theft Auto VI.

Rockstar weist Vorwürfe zurück, Mitarbeiter seien wegen gewerkschaftlicher Aktivitäten entlassen worden

Rockstar beharrt darauf, dass die Mitarbeiter wegen grober Verfehlungen im Zusammenhang mit vertraulichen Informationen entlassen wurden und nicht wegen ihres Engagements in einer Gewerkschaft.

In einer Erklärung, die zu Beginn der Verhandlung veröffentlicht wurde, erklärte das Unternehmen, seine Position sei während des gesamten Konflikts unverändert geblieben. Rockstar argumentiert, dass vertrauliche Unternehmensinformationen außerhalb der vorgesehenen internen Kanäle weitergegeben wurden, und kündigt an, die Vorwürfe der Gewerkschaft vor dem Arbeitsgericht anzufechten.

Insgesamt wurden im Zuge dieser Ereignisse 34 Mitarbeiter entlassen, darunter 31 in Großbritannien und drei in Kanada.

Der Fall entwickelte sich rasch zu einem der am meisten beachteten Arbeitskonflikte in der Spieleindustrie. Es kam zu Protesten vor dem Büro von Rockstar North in Edinburgh sowie vor den Londoner Büros der Muttergesellschaft Take-Two Interactive.

IWGB behauptet, die Kündigungen seien rechtswidrig gewesen

Die Independent Workers of Great Britain geben eine ganz andere Darstellung der Ereignisse wieder.

Die Gewerkschaft behauptet, die Mitarbeiter seien wegen ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten ins Visier genommen worden, und erklärt, den Beschäftigten sei ein ordnungsgemäßes Disziplinarverfahren sowie die Möglichkeit, gegen ihre Entlassungen Einspruch einzulegen, verwehrt worden.

Den Vorwürfen der Gewerkschaft zufolge wurden einige in den Rockstar-Büros tätige Mitarbeiter zu Besprechungen gerufen, sofort entlassen und aus den Räumlichkeiten begleitet. Mitarbeiter im Homeoffice wurden angeblich durch äußerst kurze Telefonanrufe informiert, bevor ihnen der Zugriff auf die Unternehmenssysteme entzogen wurde.

Diese Behauptungen sind weiterhin umstritten und werden Teil der Beweislage sein, die vor dem Arbeitsgericht geprüft wird.

Die ehemaligen Beschäftigten fordern ihre Wiedereinstellung oder eine Entschädigung sowie eine gerichtliche Feststellung, dass ihre Kündigungen ungerechtfertigt waren.

Discord-Nachrichten stehen im Mittelpunkt des Streits

Eine der wichtigsten Fragen betrifft einen Discord-Kanal, der von den Beschäftigten genutzt wurde.

Rockstar behauptet, die Mitarbeiter hätten sensible Informationen über Funktionen von GTA 6, den Entwicklungsfortschritt, Zeitpläne für die Veröffentlichung und interne IT-Sicherheitsverfahren weitergegeben. Das Unternehmen argumentiert, diese Informationen seien vertraulich gewesen und ihre Weitergabe habe die Kündigung gerechtfertigt.

Rockstar bestreitet zudem, dass es sich bei der Discord-Gruppe tatsächlich um einen privaten Mitarbeiterbereich gehandelt habe. Nach Angaben des Unternehmens hatten Hunderte von Personen Zugriff darauf, darunter auch Personen, die keine Mitarbeiter von Rockstar waren.

Die IWGB bestreitet Rockstars Darstellung des Kanals und beharrt darauf, dass es sich um einen privaten Bereich handelte.

Diese Unterscheidung könnte von Bedeutung sein. Das Arbeitsgericht muss die Umstände der Unterhaltungen, die Art der betroffenen Informationen und Rockstars Gründe für die Entlassung der Mitarbeiter prüfen.

Rockstar verweist auf seine strenge Richtlinie zu Informationslecks

Vertraulichkeit war bei Rockstar schon immer besonders wichtig. Nur wenige große Entwickler geben so wenig über unfertige Projekte preis, bevor diese für die öffentliche Präsentation bereit sind.

Das Unternehmen argumentiert, dass die Mitarbeiter diese Regeln beim Umgang mit unveröffentlichtem Material verstehen.

Rockstar hat zudem auf frühere Entlassungen im Zusammenhang mit angeblichen Informationslecks verwiesen, um zu belegen, dass seine Reaktion nicht speziell auf Mitarbeiter abzielt, die gewerkschaftlich aktiv sind.

Diese Vorgeschichte ist für die Verteidigung des Unternehmens relevant. Letztendlich wird jedoch das Arbeitsgericht entscheiden, ob die Kündigungen, die im Mittelpunkt dieses Falles stehen, rechtmäßig gehandhabt wurden.

Die finanzielle Brisanz rund um Informationen zu GTA 6 fügt eine weitere Dimension hinzu. Rockstar argumentiert, dass vertrauliche Informationen zur Entwicklung oder Veröffentlichung zu bedeutenden Gaming-Nachrichten werden könnten, wenn sie an die Öffentlichkeit gelangen, und möglicherweise die Stimmung der Investoren gegenüber Take-Two beeinflussen könnten.

Es gibt Präzedenzfälle dafür, dass wichtige Ankündigungen zu „GTA 6“ den Markt bewegen. Als Rockstar zuvor eine sechsmonatige Verschiebung auf den 19. November 2026 bestätigte, sank der Marktwert von Take-Two innerhalb eines einzigen Handelstages um Milliarden Dollar.

Ehemalige „GTA 6“-Entwickler beschreiben die persönlichen Auswirkungen

Für die entlassenen Mitarbeiter geht der Konflikt weit über die Vertraulichkeitsrichtlinien des Unternehmens hinaus.

Der ehemalige Rockstar-Mitarbeiter und IWGB-Mitglied Jason Lewis sagte, die Mitarbeiter hätten fast ein Jahr lang darauf gewartet, ihre Version der Ereignisse offiziell darlegen zu können.

Die Gruppe argumentiert, dass der Verlust ihrer Arbeitsplätze auch den Verlust der Möglichkeit bedeutete, ein Projekt abzuschließen, an dessen Entstehung sie jahrelang mitgewirkt hatten.

Ein vom Gewerkschaftsverband hervorgehobener Fall betrifft den ehemaligen Mitarbeiter Will Mesilane. Die IWGB behauptet, dass er letztendlich nach Australien zurückkehren musste, nachdem Rockstar die Bürgschaft für sein Arbeitsvisum zurückgezogen und das Innenministerium nach seiner Entlassung darüber informiert hatte.

Auch hier wird das Schiedsgericht die widersprüchlichen Beweise bewerten müssen, anstatt einfach die Interpretation einer der beiden Seiten zu akzeptieren.

Der Konflikt könnte weitreichende Folgen für Rockstar haben

Das Schiedsverfahren läuft parallel zu separaten Diskussionen über die formelle Anerkennung der Gewerkschaft bei Rockstar.

Die IWGB hat sich für Veränderungen eingesetzt, darunter mehr Lohntransparenz, einen stärkeren Schutz vor Entlassungen nach Spielveröffentlichungen, verbesserte flexible Arbeitsregelungen und Maßnahmen zur Bewältigung von Phasen intensiver Überstunden, die gemeinhin als „Crunch“ bezeichnet werden.

Sollte eine formelle Anerkennung schließlich erreicht werden, könnte Rockstar zum größten anerkannten, gewerkschaftlich organisierten Spielestudio in Großbritannien werden.

Damit ist dieser Konflikt über die 31 direkt betroffenen ehemaligen britischen Mitarbeiter hinaus von Bedeutung.

Die Anhörung findet kurz vor der Veröffentlichung von GTA 6 statt

Der Zeitpunkt ist kaum zu übersehen.

Rockstar befindet sich in der Endphase der Vorbereitungen für die Veröffentlichung von GTA 6 am 19. November und muss sich gleichzeitig gegen einen der schwerwiegendsten Arbeitskonflikte seiner Geschichte verteidigen.

Für die Spieler ändert das Arbeitsgericht derzeit nichts an den angekündigten Veröffentlichungsplänen für „GTA 6“. Für die gesamte Spieleindustrie könnte der Fall jedoch zu einem wichtigen Testfall dafür werden, wie sich Vertraulichkeitsrichtlinien mit dem gesetzlich geschützten Recht auf gewerkschaftliche Organisation am Arbeitsplatz verhalten.

Die beiden Seiten stehen sich weiterhin unversöhnlich gegenüber. Rockstar behauptet, vertrauliche Informationen seien unrechtmäßig weitergegeben worden, und bestreitet, Gewerkschaftsmitglieder gezielt ins Visier genommen zu haben. Die IWGB argumentiert, dass Mitarbeiter für ihre gewerkschaftliche Organisation und die Diskussion über Arbeitsbedingungen bestraft worden seien.

Das Arbeitsgericht hat nun die Aufgabe, die Beweise hinter diesen widersprüchlichen Darstellungen zu prüfen.

Da die Anhörungen voraussichtlich bis in den Oktober hinein andauern werden, dürfte der Konflikt in den letzten Wochen vor der Veröffentlichung von „GTA 6“ weiterhin Teil der Diskussionen rund um Rockstar bleiben.

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