Rockstar Games hat den Spielern endlich einen umfassenden Einblick in das GTA 6-Gameplay gewährt, und die Präsentation enthielt weit mehr, als die großen Raubüberfälle, Charaktere und Filmsequenzen zunächst vermuten ließen.
Der 27-minütige „GTA 6 Extended Look“, der zunächst auf Netflix Premiere feierte und sechs Stunden später über Rockstars eigene Kanäle frei zugänglich war, bot den bislang klarsten Einblick darin, wie sich „Grand Theft Auto“ seit „GTA 5“ weiterentwickelt hat.
Einige Neuerungen fielen sofort ins Auge. Andere tauchten nur für wenige Sekunden in Menüs, Hintergrundanimationen oder Interaktionen zwischen Jason, Lucia und den Menschen um sie herum auf.
Insgesamt deuten diese Details darauf hin, dass Rockstar enormen Wert darauf legt, Leonida reaktionsfähig wirken zu lassen, anstatt es einfach nur größer zu gestalten.
Jason und Lucia können während Missionen zusammenarbeiten
Eine der wichtigsten Enthüllungen betrifft Jason Duval und Lucia Caminos.
In GTA 5 konnten Spieler zwischen Michael, Franklin und Trevor wechseln, doch GTA 6 scheint dieses Konzept weiterzuentwickeln, indem es Begegnungen rund um die Zusammenarbeit der beiden Protagonisten gestaltet.
In einer Sequenz fährt Jason, während Lucia auf verfolgende Gegner schießt. Der Spieler kann fast augenblicklich zwischen ihnen wechseln und entscheiden, ob er sich auf die Steuerung des Fahrzeugs oder auf den Schusswechsel konzentrieren möchte.
Außerhalb von Missionen wirkt der Wechsel bedachter und ähnelt eher dem aus GTA 5 bekannten Übergangssystem.
Dieser Unterschied ist bedeutend. Rockstar scheint schnelle Wechsel zu bevorzugen, wenn dies der Action zugutekommt, während bei der freien Erkundung von Leonida eher filmische Übergänge beibehalten werden.
Raubüberfälle scheinen flexibler zu sein als zuvor
Kriminalität spielt weiterhin eine zentrale Rolle in Grand Theft Auto VI, doch der „Extended Look“ deutet darauf hin, dass Rockstar den Spielern mehr Werkzeuge zur Vorbereitung und Durchführung von Raubüberfällen an die Hand gibt.
Gesichtsbedeckungen sind ein Beispiel dafür. Das Item-Rad zeigt Hüte, Brillen und Bandanas, die offenbar direkt angelegt werden können. Es scheinen auch verschiedene Arten von Gesichtsbedeckungen verfügbar zu sein.
Kleine Ergänzungen wie diese könnten praktische Auswirkungen auf das Gameplay haben. Rockstar hat an anderer Stelle in seinem GTA-6-Material Überwachungskameras, Alarmanlagen und andere Sicherheitssysteme gezeigt, was darauf hindeutet, dass die Vorbereitung wichtiger sein könnte, als einfach nur mit einer Waffe ein Gebäude zu betreten.
Auch das Fahndungssystem scheint subtile Änderungen zu enthalten. Während einer Flucht zeigen die Fahndungssterne einen visuellen Status an, der darauf hindeuten könnte, dass die Polizei reagiert, die Protagonisten jedoch noch nicht vollständig identifiziert oder lokalisiert hat.
Das könnte die ersten Sekunden nach einem Verbrechen noch wichtiger machen.
Leonida bietet zahlreiche Aktivitäten jenseits der Story-Missionen
Der „Extended Look“ bestätigt zudem, dass die offene Welt von GTA 6 auf mehr ausgelegt ist als nur das Fahren zwischen den Missionen.
Jason und Lucia sind beim Kajakfahren, Jetskifahren und Angeln zu sehen. Organisierte Rennstreckenrennen scheinen vorhanden zu sein, während Car-Meets als Teil der Automobilkultur von Leonida ein Comeback feiern.
Auch Flugzeuge sind während der gesamten Präsentation zu sehen, darunter kleine Privatflugzeuge und Doppeldecker. Rockstar hat noch nicht genau angegeben, welche Flugzeuge die Spieler steuern können, aber ihre Präsenz deutet darauf hin, dass die Luftfahrt ein wichtiger Bestandteil der Sandbox bleiben wird.
Auch Stripclubs kehren zurück und bewahren damit ein weiteres langjähriges Element der Serie.
Für sich genommen definiert keine dieser Aktivitäten „GTA 6“. Zusammen zeigen sie jedoch, wie Rockstar die Spieler dazu bringen will, Zeit in der Welt zu verbringen, selbst wenn sie die Hauptgeschichte ignorieren.
Rockstars NPCs tun mehr, als nur die Straßen zu füllen
Die vielleicht überzeugendsten Verbesserungen finden sich bei Charakteren, die nichts mit Jason oder Lucia zu tun haben.
Die NPCs in GTA 6 reagieren ungewöhnlich aufmerksam auf das Geschehen um sie herum.
In einer Szene steigt Lucia aus einem Fahrzeug aus, während sie eine Waffe versteckt. Ein Fußgänger in der Nähe bemerkt ihr Verhalten und reagiert sichtbar darauf, während er sich entfernt. Es ist ein winziger Moment, doch er trägt dazu bei, den Eindruck zu vermitteln, dass Fußgänger ihre Umgebung beobachten, anstatt völlig isolierten Routinen zu folgen.
Auch die Kämpfe wirken körperbetonter. Gegner können sich offenbar mit den Protagonisten in einen Kampf verwickeln, wodurch der Spieler gezwungen ist, sich zu befreien, anstatt sich ausschließlich auf traditionelle Schießmechaniken zu verlassen.
Rockstar hat schon immer Hintergrundcharaktere eingesetzt, um Atmosphäre zu schaffen. In GTA 6 scheinen sie nun noch weiter zu glaubwürdigen Teilnehmern der Spielwelt zu werden.
Social-Media-Kultur ist in Leonida allgegenwärtig
Auch Rockstars Version von Florida scheint von der Internetkultur besessen zu sein.
Ein besonders seltsamer Moment zeigt eine Figur, die aus einem Fahrzeug steigt und dabei live streamt. Andere Szenen spielen auf Online-Persönlichkeiten, virales Verhalten und die ständige Präsenz von Handys und digitalen Medien an.
Dies fügt sich nahtlos in das ein, was Rockstar bereits durch seine Trailer etabliert hat.
GTA 5 persiflierte die sozialen Medien der Facebook-Ära, die Promi-Kultur und das Reality-Fernsehen. GTA 6s Vice City existiert in einer Welt, die von Livestreamern, Kurzvideos, Influencern und Menschen geprägt ist, die fast alles um sich herum aufzeichnen.
Das bietet Rockstar eine enorme Menge an zeitgenössischem Material, das es zu parodieren gilt.
Die Größe von Leonida wird aus der Luft deutlich
Eine der meistdiskutierten Aufnahmen des „Extended Look“ zeigt Lucia beim Fallschirmspringen über der Landschaft.
Die Bedeutung dieser Sequenz liegt nicht nur in der visuellen Qualität. Sie vermittelt ein ungewöhnlich klares Gefühl für die Größe des Schauplatzes.
Straßen, Gebäude, Vegetation und ferne Landschaften bleiben bis weit zum Horizont sichtbar. Rockstar hat zwar keine einfachen offiziellen Maße zum Vergleich von Leonida mit der Karte von GTA 5 bereitgestellt, doch das Filmmaterial macht deutlich, dass sich die spielbare Umgebung weit über das Zentrum von Vice City hinaus erstreckt.
Ebenso wichtig ist die Vielfalt. Dichte städtische Gebiete liegen Seite an Seite mit Küsten, Wasserwegen, kleineren Ortschaften und ländlichen Gegenden.
Eine größere Karte bedeutet wenig, wenn sich der größte Teil davon leer anfühlt. Rockstar scheint sich ebenso sehr auf die Dichte wie auf die reine Größe zu konzentrieren.
Kleine Umgebungsdetails könnten das größte Upgrade von GTA 6 sein
Die Präsentation offenbart zudem, dass der Beleuchtung und dem Verhalten der Umgebung große Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Auf nassen Flughafenoberflächen sind Spiegelungen zu sehen. Die Kleidung bewegt sich natürlich mit den Charakteren mit. Fahrzeuginnenräume sind äußerst detailreich gestaltet. Menschenmengen weisen eine weitaus größere visuelle Vielfalt auf als in GTA 5.
Sogar Textnachrichten können kontextbezogen auf dem Bildschirm erscheinen, sodass Unterhaltungen sichtbar bleiben, ohne die Spieler ständig aus der Spielwelt in eine separate Handy-Oberfläche herauszureißen.
Das sind keine Features, die auf dem Papier unbedingt beeindruckend klingen.
Sie sind wichtig, weil GTA auf der Summe der Details beruht. Eine überzeugende Stadt entsteht durch das Zusammenspiel Hunderter Systeme, nicht durch ein einzelnes Highlight.
Der „Extended Look“ zeigt endlich, woran Rockstar gearbeitet hat
Jahrelang drehten sich die Diskussionen rund um GTA 6 hauptsächlich um Leaks, Gerüchte und Fragen zur Kartengröße. Der „Extended Look“ verändert diese Diskussion.
Die Spieler können nun Rockstars Prioritäten deutlicher erkennen.
Jason und Lucia sind als Partnerkonstellation konzipiert. Die Missionen scheinen mehr Flexibilität zu bieten. NPCs reagieren überzeugender. Die Aktivitäten verteilen sich über ganz Leonida, während die Umgebung voller Details ist, die den Spielern im normalen Spielverlauf leicht entgehen könnten.
Fans könnten Monate damit verbringen, Interaktionen zu entdecken, die in der Präsentation nur wenige Sekunden Bildschirmzeit erhielten.
Das war schon immer Teil des Reizes von „Grand Theft Auto“.
Der Unterschied besteht diesmal in der Dichte. Rockstar erschafft nicht einfach nur ein weiteres „Vice City“. Es scheint, als würde das Unternehmen einen Ort erschaffen, der darauf ausgelegt ist, Spieler dafür zu belohnen, dass sie beobachten, was zwischen den Missionen geschieht.
GTA 6 erscheint am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Nach dem „Extended Look“ stellt sich nicht mehr die Frage, ob Rockstar das Spielkonzept wesentlich erweitert hat.
Die Frage ist vielmehr, wie viel noch verborgen bleibt.