Microsoft hat öffentlich bestätigt, dass es Take-Two Interactive und Rockstar Games dabei unterstützt, die Quelle der jüngsten GTA-6-Leaks aufzuspüren.
Scott Van Vliet, Chief Technology Officer bei Xbox, äußerte sich am 21. August zu der Situation, nachdem Berichte aufgetaucht waren, wonach Take-Two im Rahmen seiner Ermittlungen Daten von Microsoft, Discord und Google angefordert hatte.
Van Vliet hielt seine Stellungnahme kurz und erklärte, Microsoft arbeite eng mit Take-Two und Rockstar zusammen, um deren Bemühungen zum Schutz von kreativem Material und geistigem Eigentum zu unterstützen.
Mit dieser Stellungnahme kommt ein weiteres großes Unternehmen zu einer Untersuchung hinzu, die schnell über gewöhnliche Urheberrechtsverletzungen hinausgegangen ist. Take-Two nutzt nun rechtliche Mittel, um Informationen zu erhalten, die dabei helfen könnten, die Personen zu identifizieren, die hinter der fortgesetzten Veröffentlichung von angeblichen GTA 6-Gameplay-Aufnahmen stehen.
Xbox-CTO bestätigt: Microsoft arbeitet mit Rockstar zusammen
Die neuesten Informationen stammen direkt von der technischen Führungsspitze von Xbox.
Van Vliet bestätigte, dass Microsoft mit Rockstar Games und Take-Two zusammenarbeitet, während diese die unbefugte Verbreitung von Material zu „Grand Theft Auto VI“ untersuchen.
Er gab keine technischen Details zu den Ermittlungen von Microsoft preis und nannte auch keine Personen, die der Beteiligung verdächtigt werden.
Diese Zurückhaltung ist wichtig.
Take-Two versucht derzeit, die Verantwortlichen zu ermitteln. Die Tatsache, dass Ermittlungen laufen, beweist nicht, dass eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Konto eine Urheberrechtsverletzung begangen oder Material von Rockstar illegal beschafft hat.
Die Beteiligung von Microsoft deutet jedoch darauf hin, dass der Publisher davon ausgeht, dass Informationen großer Online-Plattformen dabei helfen könnten, den Verbreitungsweg des Filmmaterials nachzuvollziehen.
CyberLeek hat weiterhin GTA-6-Filmmaterial geteilt
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht unter anderem eine Online-Identität namens CyberLeek, die mit der jüngsten Verbreitung von Filmmaterial in Verbindung gebracht wird, das laut Pure Xbox aus einer älteren Version von „GTA 6“ stammt.
Das Material ist online aufgetaucht, während Rockstar seinen offiziellen „Extended Look“ zu „Grand Theft Auto VI“ vorbereitet.
Dieser Zeitpunkt hat den Entwickler in eine schwierige Lage gebracht.
Rockstar hat jahrelang sorgfältig kontrolliert, was die Öffentlichkeit von „GTA 6“ zu sehen bekommt. Unerlaubtes Filmmaterial entzieht dem Unternehmen diese Kontrolle und legt möglicherweise unfertiges Material offen, ohne den Kontext, der normalerweise mit einer offiziellen Präsentation einhergeht.
Zudem besteht die Gefahr von Story-Spoilern, je mehr Material in Umlauf gerät.
Pure Xbox merkte an, dass Take-Two offenbar besonders entschlossen ist, die Quelle zu identifizieren, bevor weitere Informationen veröffentlicht werden.
Take-Two fordert Microsoft-Unterlagen mittels einer DMCA-Vorladung an
Die Rolle von Microsoft wurde deutlicher, nachdem Details zu den rechtlichen Anträgen von Take-Two bekannt wurden.
Der Publisher hat mehrere Vorladungen erlassen, um Informationen von Technologieunternehmen einzuholen, die bei seinen Ermittlungen helfen könnten. Die Anträge stützen sich auf den Digital Millennium Copyright Act (DMCA).
Laut den von Pure Xbox zitierten Unterlagen beschreibt Take-Two die umstrittenen Inhalte als audiovisuelles Material, Grafiken, Bilder, Dialoge und andere kreative Elemente.
Der Publisher gibt an, sein Ziel sei es, den oder die mutmaßlichen Rechtsverletzer zu identifizieren und diese Informationen zum Schutz seiner Rechte zu nutzen.
Take-Two fordert insbesondere Geschäfts- und Ermittlungsunterlagen von Microsoft im Zusammenhang mit dem CyberLeek-Profil an, die dabei helfen könnten, den oder die dahinter stehenden Nutzer bzw. Organisationen zu identifizieren.
Microsoft führt möglicherweise bereits eigene Ermittlungen zu CyberLeek durch
Ein Detail in den Rechtsdokumenten ist besonders interessant.
Der Wortlaut des Antrags von Take-Two bezieht sich auf Microsofts „interne Ermittlungen“ zur Identität von CyberLeek.
Das deutet darauf hin, dass Microsoft möglicherweise bereits Informationen gesammelt hat, die für den Fall relevant sind, bevor Take-Two den Zugang zu diesen Unterlagen beantragte.
Van Vliets Erklärung bestätigt nun öffentlich die Zusammenarbeit von Microsoft, auch wenn sie keine Auskunft darüber gibt, was die unternehmenseigene Untersuchung ergeben hat.
Es gibt mehrere Gründe, warum Microsoft über nützliche Informationen verfügen könnte. Seine Dienste decken ein breites Spektrum an Online-Infrastruktur ab, darunter Xbox und GitHub.
Dennoch sollte die Existenz potenziell relevanter Unterlagen nicht als Beweis dafür interpretiert werden, dass Microsoft selbst für die Sicherheitsverletzung bei GTA 6 verantwortlich war.
Das Unternehmen unterstützt den Rechteinhaber bei den Ermittlungen.
Berichten zufolge sind auch Discord und Google beteiligt
Microsoft ist nicht das einzige Technologieunternehmen, von dem Take-Two Informationen einholt.
Pure Xbox zitiert Berichte, wonach Vorladungen auch an Discord und Google gerichtet wurden.
Dies deutet darauf hin, dass Take-Two versucht, die digitale Spur über mehrere Plattformen hinweg zu verfolgen, anstatt sich auf eine einzige Informationsquelle zu verlassen.
Online-Leaks beschränken sich selten auf einen einzigen Dienst. Dateien können extrem schnell zwischen privaten Communities, Cloud-Diensten, sozialen Netzwerken und öffentlichen Hosting-Plattformen zirkulieren.
Das macht es erheblich schwieriger, die ursprüngliche Quelle zu identifizieren, als einzelne Kopien zu entfernen.
Take-Two kann Urheberrechtsverletzungen gegen Videos geltend machen, nachdem diese erschienen sind. Um die Person zu stoppen, die Zugang zum Originalmaterial hat, muss diese Person jedoch zuerst ausfindig gemacht werden.
Das scheint derzeit die Priorität zu sein.
Warum Leaks zu GTA 6 wichtiger sind als gewöhnliche Spoiler
Fans konzentrieren sich natürlich darauf, was die durchgesickerten Clips über das Gameplay von Grand Theft Auto VI verraten. Für Rockstar reichen die Konsequenzen jedoch weiter.
Entwicklungsmaterial kann unfertige Grafiken, vorläufige Animationen oder Spielmechaniken enthalten, die sich seit der Erstellung des Builds geändert haben.
Sobald dieses Material öffentlich erscheint, können Zuschauer es leicht für eine Darstellung des endgültigen Spiels halten.
Es gibt auch ein kommerzielles Problem. Rockstar hat eine umfangreiche Marketingkampagne, die auf bestimmte Enthüllungen ausgerichtet ist. Jeder Trailer und jede Präsentation ist zeitlich so abgestimmt, dass Informationen dann vorgestellt werden, wenn das Studio der Meinung ist, dass sie bereit sind.
Leaks stören diesen Prozess.
Noch schwerwiegender ist, dass ein fortgesetzter Zugriff auf eine Entwicklungsversion möglicherweise Details zur Handlung oder anderes Material offenlegen könnte, das Rockstar eigentlich von den Spielern selbst entdeckt haben möchte.
Das erklärt, warum die Ermittlungen immer aggressiver vorgehen.
Rockstar plant für nächste Woche eine offizielle Enthüllung von GTA 6
Der Zeitpunkt ist besonders ungünstig, da Rockstar nur noch wenige Tage davon entfernt ist, offiziell mehr vom Spiel zu zeigen.
„Grand Theft Auto VI: An Extended Look“ wird am 27. August auf Netflix Premiere feiern. Die Präsentation beginnt um 15:00 Uhr ET; Rockstar wird sie sechs Stunden später, um 21:00 Uhr ET, über seinen YouTube-Kanal und die offizielle GTA-6-Website zur Verfügung stellen.
Die Veranstaltung dürfte Rockstar die Gelegenheit bieten, die Diskussion von den Entwicklungslecks weg und zurück zu den genehmigten Inhalten zu lenken.
Was genau der „Extended Look“ beinhaltet, bleibt abzuwarten.
Eine umfangreiche offizielle Präsentation könnte jedoch ältere durchgesickerte Clips schnell an Relevanz verlieren lassen, insbesondere wenn Rockstar den aktuellen Stand des Gameplays direkt demonstriert.
Die Stellungnahme von Microsoft bedeutet nicht, dass der Leaker identifiziert wurde
Die wachsende Liste der beteiligten Unternehmen könnte den Eindruck erwecken, dass die Ermittler kurz davor stehen, die Quelle zu finden.
Das wurde jedoch nicht bestätigt.
Microsoft gibt an, zu kooperieren. Take-Two hat Unterlagen angefordert. Berichten zufolge haben auch Discord und Google rechtliche Aufforderungen erhalten.
Keine dieser Entwicklungen belegt, dass CyberLeek identifiziert wurde.
Ebenso müssten durch Vorladungen erlangte Informationen ausgewertet werden, bevor Take-Two entscheiden könnte, welche weiteren Maßnahmen gegebenenfalls angemessen sind.
Fans könnten überrascht sein, wie komplex dieser Prozess werden kann. Online-Identitäten können mehrere Konten und Dienste umfassen, während die Feststellung, wer ein Konto zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich kontrollierte, erheblich mehr Beweise erfordern kann als die Ermittlung eines Benutzernamens.
Die Jagd nach dem „GTA 6“-Leak ist mittlerweile viel größer als Rockstar selbst
Was als eine weitere Reihe unautorisierter „GTA 6“-Clips begann, hat sich nun zu einer unternehmensübergreifenden Ermittlung entwickelt.
Take-Two bemüht sich auf rechtlichem Wege um die Herausgabe von Unterlagen. Microsoft hat seine Zusammenarbeit öffentlich bestätigt. Berichten zufolge werden auch andere große Plattformen um die Bereitstellung von Informationen gebeten.
Das garantiert jedoch nicht, dass die Quelle identifiziert wird.
Es zeigt jedoch, wie ernst die beteiligten Unternehmen die Situation nehmen.
Unterdessen läuft der offizielle Zeitplan von Rockstar weiter. GTA 6 soll weiterhin am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S erscheinen, während der „Extended Look“ am 27. August den nächsten großen offiziellen Einblick in Leonida bieten wird.
Für Rockstar ist das ideale Ergebnis klar: Die offizielle Präsentation wird zur Schlagzeile, das nicht autorisierte Filmmaterial wird zur alten Nachricht, und die Ermittler klären auf, wie das Material überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen konnte.
Die kurze Stellungnahme von Microsoft zeigt, dass Rockstar diese Suche nicht alleine durchführen wird.
