Ein wichtiges Detail zu GTA 6 Online ist aus einer unerwarteten Quelle ans Licht gekommen. Gerichtsdokumente im Zusammenhang mit dem laufenden Arbeitsrechtsstreit von Rockstar Games verweisen auf ein Online-Format für 32 Spieler und liefern damit einen der bislang deutlichsten Hinweise auf die Multiplayer-Komponente von Grand Theft Auto VI.
Die Information stammt weder aus einem Rockstar-Trailer noch aus einer Pressemitteilung oder einem Entwicklerinterview. Stattdessen tauchte sie in Gerichtsdokumenten im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit des Unternehmens mit ehemaligen Mitarbeitern auf.
Das macht diese Enthüllung besonders ungewöhnlich. Rockstar hat bisher nur sehr wenig über die nächste Generation von „GTA Online“ preisgegeben, doch nun haben die eigenen Gerichtsverfahren ein potenziell wichtiges Detail zum Multiplayer-Modus an die Öffentlichkeit gebracht.
Rockstar-Dokumente verweisen auf ein Online-Format für 32 Spieler
Die neuesten Dokumente beziehen sich direkt auf Mitarbeiter, die ein Online-Format für 32 Spieler diskutierten. Rockstar stufte das Thema damals als streng vertraulich ein.
Die Dokumente sind Teil des Arbeitsrechtsverfahrens gegen ehemalige Rockstar-Mitarbeiter. Das Unternehmen hat argumentiert, dass vertrauliche Informationen auf einem Discord-Server besprochen wurden, auf den auch Personen Zugriff hatten, die ursprünglich nicht an den Gesprächen teilgenommen hatten.
Rockstar hat die dort erwähnten Spielfunktionen als streng geschützte Unternehmensinformationen eingestuft.
Der Hinweis auf 32 Spieler ist besonders bemerkenswert, da das Studio noch keine öffentlichen Details zum Multiplayer-Modus von GTA 6 bekannt gegeben hat.
Jennifer Kolbe, Leiterin der Publishing-Abteilung bei Rockstar, soll die Offenlegung der Anzahl der Online-Spieler für ein vertrauliches Projekt als äußerst besorgniserregend bezeichnet haben. Diese Reaktion deutet darauf hin, dass die Zahl intern nicht als unbedeutendes technisches Detail angesehen wurde.
Auch frühere Dokumente erwähnten Tests mit 32 Spielern
Es ist nicht das erste Mal, dass die Zahl 32 im Rahmen des Gerichtsverfahrens auftaucht.
Frühere Gerichtsunterlagen enthielten interne Diskussionen über die Organisation großer Online-Testrunden. In einem Gespräch ging es um die Schwierigkeit, eine Testrunde mit 32 Teilnehmern unter Einbeziehung der QA-Ressourcen von Rockstar zu organisieren.
Damals bezeichneten die Rechtsvertreter von Rockstar Informationen zum Online-Dienst und den geplanten Spielerzahlen als geschäftlich sensibel.
Die neueren Dokumente untermauern diesen Zusammenhang, indem sie ausdrücklich ein Online-Format für 32 Spieler beschreiben.
Es gibt jedoch eine wichtige Einschränkung.
Ein Entwicklungstest mit 32 Spielern bedeutet nicht zwangsläufig, dass „GTA 6 Online“ jede öffentliche Lobby dauerhaft auf genau 32 Spieler begrenzen wird. Testziele können sich ändern, und verschiedene Multiplayer-Aktivitäten unterstützen möglicherweise unterschiedliche Teilnehmerzahlen.
32 Spieler wären für GTA-Online-Veteranen nichts Neues
Sollte diese Zahl bis zum fertigen Spiel bestehen bleiben, würde dies keinen dramatischen numerischen Anstieg gegenüber dem aktuellen GTA Online darstellen.
Bestehende GTA-Online-Sitzungen bieten Platz für bis zu 30 aktive Spieler, wobei in bestimmten Konfigurationen zusätzliche Zuschauerplätze zur Verfügung stehen. Rockstar betreibt daher seit Jahren Multiplayer-Umgebungen in etwa dieser Größenordnung.
Fans, die erwarten, dass GTA 6 plötzlich Städte für 100 Spieler einführt, könnten die Angaben in den Gerichtsunterlagen als überraschend konservativ empfinden.
Doch die reine Spielerzahl erzählt nur einen Teil der Geschichte.
Eine Session mit 32 Personen in einem detaillierteren und interaktiveren Leonida könnte technisch erheblich anspruchsvoller sein als eine ähnliche Spieleranzahl in Los Santos.
Leonida könnte 32 Spielern ein ganz anderes Erlebnis bieten
Die eigentliche Frage ist nicht einfach, wie viele Spieler sich verbinden können. Es geht darum, was diese Spieler tun können, sobald sie angekommen sind.
Rockstars jüngster GTA 6 Extended Look zeigte dichtere Umgebungen, vielfältigeres NPC-Verhalten und eine Welt voller detaillierter Innenräume, Fahrzeuge und Aktivitäten.
Die Integration dieser Systeme in eine Online-Umgebung bringt zusätzliche Herausforderungen mit sich.
Jeder Spieler verursacht Netzwerkverkehr und unvorhersehbare Interaktionen. Fahrzeuge müssen synchronisiert bleiben. Kämpfe müssen reaktionsschnell wirken. NPCs müssen angemessen reagieren. Physikereignisse müssen auf verschiedenen Geräten glaubwürdig bleiben.
Eine Erhöhung der Spielerzahl allein um eine größere Anzahl zu erreichen, könnte die Qualität des Spielerlebnisses beeinträchtigen.
Rockstar könnte daher Dichte und Simulation gegenüber einer enormen Anzahl von Lobby-Teilnehmern priorisieren.
Die Dokumente bestätigen nicht die endgültige Obergrenze für „GTA 6 Online“
Diese Unterscheidung ist entscheidend.
Die Gerichtsdokumente liefern glaubwürdige Beweise dafür, dass Rockstar mit einem Online-Format für 32 Spieler gearbeitet hat. Sie stellen jedoch keine offizielle Ankündigung für die Spieler dar, die die endgültige maximale Lobbygröße bestätigt.
Mehrere Möglichkeiten bleiben offen.
32 Spieler könnten die Standard-Spielerzahl im Free-Roam-Modus darstellen. Die Angabe könnte sich auch nur auf einen bestimmten Modus oder eine Testumgebung beziehen. Rockstar könnte die Anzahl vor der Veröffentlichung zudem erhöhen oder verringern.
Verschiedene Aktivitäten können unterschiedliche Obergrenzen haben, so wie GTA Online derzeit kleinere Spielergruppen für Missionen und Raubüberfälle verwendet, obwohl es viel größere öffentliche Sessions unterstützt.
Solange Rockstar das System nicht öffentlich erläutert, würde die Annahme, dass 32 die garantierte endgültige Obergrenze darstellt, über das hinausgehen, was die Dokumente belegen.
Rockstars Geheimhaltung macht die Enthüllung umso interessanter
Die Umstände, unter denen diese Informationen bekannt wurden, sind fast ebenso interessant wie die Zahl selbst.
Rockstar ist dafür bekannt, Informationen über noch nicht fertiggestellte Spiele streng zu kontrollieren. Grand Theft Auto VI war bereits von mehreren größeren Informationslecks betroffen, was die Vertraulichkeit während der Entwicklung besonders heikel gemacht hat.
Der aktuelle Arbeitskonflikt selbst dreht sich zum Teil um dieses Thema.
Rockstar gibt an, dass Mitarbeiter entlassen wurden, nachdem vertrauliche Unternehmensinformationen außerhalb der autorisierten Kanäle weitergegeben wurden. Die „Independent Workers of Great Britain“ bestreiten die Darstellung des Unternehmens und behaupten, die Entlassungen stünden im Zusammenhang mit gewerkschaftlichen Aktivitäten.
Diese gegensätzlichen Behauptungen sind weiterhin Teil des Gerichtsverfahrens.
Doch das Gerichtsverfahren hat einen ungewöhnlichen Nebeneffekt hervorgerufen. Details, die Rockstar als vertraulich betrachtete, sind in die öffentliche Diskussion gelangt, da sie für die Argumente des Unternehmens in diesem Fall relevant sind.
Rockstar muss noch wichtige Fragen zu „GTA 6 Online“ beantworten
Der Hinweis auf 32 Spieler löst nur einen kleinen Teil eines viel größeren Rätsels.
Rockstar muss noch erklären, wie GTA 6 Online funktionieren wird, wie eng es mit der Einzelspieler-Welt verbunden sein wird oder wie bestehende GTA-Online-Spieler auf die neue Generation umsteigen werden.
Es gibt auch wichtige Fragen rund um den Spielfortschritt, Immobilien, Unternehmen, Raubüberfälle und die Charaktererstellung.
Am wichtigsten ist vielleicht, dass Rockstar noch nicht bestätigt hat, ob das neue Online-Erlebnis gleichzeitig mit dem Hauptspiel erscheinen wird.
Die Vergangenheit gibt Anlass zur Vorsicht. GTA Online wurde erst nach GTA 5 und nicht parallel dazu veröffentlicht, während Red Dead Online ebenfalls erst nach Red Dead Redemption 2 folgte.
Rockstar könnte erneut eine ähnliche Strategie verfolgen.
Die Angabe von 32 Spielern ist ein Hinweis, aber nicht das ganze Bild
Vorerst bieten die Gerichtsunterlagen etwas, wovon GTA-6-Fans bisher nur sehr wenig hatten: einen konkreten Einblick in Rockstars Multiplayer-Entwicklung.
Ein GTA-6-Online-Format mit 32 Spielern mag im Vergleich zu riesigen Multiplayer-Spielen, die Dutzende oder Hunderte von gleichzeitigen Nutzern unterstützen, bescheiden klingen. Doch „Grand Theft Auto“ hat sich noch nie ausschließlich auf die Spielerzahl verlassen.
Entscheidend ist, was Rockstar um diese Spieler herum aufbaut.
Wenn „Leonida“ die in den jüngsten Videos gezeigte Umgebungsdichte, die Aktivitäten und die reaktiven Systeme liefert, könnten 32 Spieler, die sich diese Welt teilen, jede Menge Chaos verursachen, ohne dass eine dreistellige Lobby-Teilnehmerzahl erforderlich wäre.
Die Dokumente zeigen, dass Rockstar mit dieser Zahl gearbeitet hat. Ob dies die endgültige Obergrenze wird, ist eine ganz andere Frage.
Um diese Antwort zu erhalten, müssen die Spieler weiterhin darauf warten, dass Rockstar sich öffentlich dazu äußert.
